Und führe uns nicht in Versuchung
So Yeon Vista Silvester 3000
Kwame: “Warum sollen wir zu einer Ballettaufführung.“
Michael: „Damit wir am normalen Leben teilhaben. Wir können uns nicht nur in unsere Studierstuben verziehen.“
Kwame: “Tun wir ja auch nicht. Nur warum ausgerechnet Ballett?“
Michael: „Warum legt der Orden so großen Wert darauf, dass da unten alles in Ordnung ist?“
Kwame: “Ich verstehe nicht.“
Michael: „Weil wir richtige Männer sein sollen.“
Kwame: “Sind wir ja, aber was hat das mit...“
Michael: „Nun überleg' doch mal. Wir sollen irgendwann einmal die Gelübde ablegen.“
Kwame: “Ja und?“
Michael: „Ok, ich erklär's dir. Wenn wir irgendwann einmal das Gelübde ablegen, dass wir keusch leben wollen und auf Sex verzichten zum Lobe des Herrn, dann soll es ein richtiger Verzicht sein.“
Kwame: “Ich verstehe so langsam. Nur warum müssen wir uns ein Ballett ansehen.“
Michael: „Lauter hübsche Mädchen...“
Kwame: “Ah jetzt ich verstehen ganz genau.“
Michael: „Dann schauen wir es uns mal an. Ich freue mich schon darauf.“
Kwame: “Führe mich nicht in Versuchung.“
Michael: „Amen.“
Die beiden Männer gingen in das große Theater im Dom bzw. den Kuppelbau auf Bells Wreck und suchten sich ihre Plätze.

Nach einer Weile wurde das Licht gedämmt und der Vorhang fiel. Die Violinen spielten ein Tremolo und die Harfe ein Glissando. Schließlich setzte die Oboe mit einer zarten Melodie ein und eine Tänzerin lag auf der Mitte der Bühne wie ein Bündel achtlos hingeworfener Kleidung. Schließlich hob sie langsam und anmutig den Arme, erhob sich in einer Pirouette und schien sanft und anmutig über der Bühne zu schweben. Die Violinen spielten eine chromatische Melodie abwärts was kurzzeitig eine Dissonanz erzeugte und als die ganze Streichergruppe einsetzte liefen weitere Tänzerinnen auf Zehenspitzen auf die Bühne. Es wirkte, als würden sie den Boden kaum berühren. Kwame war von der Anmut und der Musik überwältigt. Wollte er wirklich ein Leben Lang auf Glück und Zuwendung verzichten? „Jesus Christus ist eure Zuflucht.“, kamen ihm die Worte des Priors in den Sinn. Auf der Bühne war ein Fest der Farben und Bilder zu sehen, während die Musik ihn in einer romantischen Sphäre einhüllte. Kwame schwebte in einer Wolke aus Gefühlen und Klang.
Schließlich ging das Ballett aus dem imperialen Nachbarsystem ging zu Ende. Schwerfällig erhob sich Kwame aus seinem Sitz und konnte sich nur schwer von seinen Eindrücken lösen. Er hoffte auf eine Zugabe und danach noch ein und dann noch eine, aber die gab es nicht.
Die beiden Männer suchten sich ein gemütliches Lokal, um ein Glas Wein zu trinken und sich über das erlebte zu unterhalten.
Aber „Gemütlich“ war in der Kuppel nicht so leicht zu finden. Überall war es nun voll obwohl sie in einem theokratischen System waren, wo Unterhaltung streng reglementiert war. Aber das Solsystem strecke wie schon so oft wieder seine Finger aus und überall lockerten sich so nach und nach die strengen religiösen Regeln. In den meisten Lokalen dröhnten die Lautsprecher und nur ein Lokal schien etwas ruhiger und leichte Musik drang nach draußen. Obwohl Kwame ein ungutes Gefühl hatte, gingen sie hinein.
Das Lokal war eher dunkel nur vereinzelte Lichter versuchten die Hektik und das grelle Neonlicht des Nachtlebens aus dem Lokal zu drängen. Auf einzelnen Tischen erleuchteten kleine Lichter schwach die Gesichter der Gäste. Einige sahen auf und musterten die beiden. Vielleicht hofften sie eines der leichten rosanen Mädchen die sich ab und zu mal hierher verirrten, wäre hereingekommen. Dann aber senkten sie wieder in einer gemeinsamen stummen Choreografie den Blick und widmeten sich wieder der Suche nach ihrer ruhmvollen Vergangenheit in den verschiedenen alkoholischen Getränken vor ihnen.
Kwame und Michael bestellten sich einen Krug Rotwein und zwei Gläser. Die Wirtin stellte noch eine Korb mit Weisbrot dazu, das wohl nur als Deko und dem Alter nach nicht zu Verzehr gedacht war. Zu essen wollten die beiden nichts.
Michael: „Wie fandest du es?“
Kwame: “Schön.“
Michael: „Schön.“
Kwame: “Ja, schön.“
Michael: „Na, schön!“
Kwame: “Also gut. Ich bin überwältigt.“
Michael: „Nicht wahr?“
Kwame: “Ja. Die Musik und die Bewegungen...“
Michael: „Dabei ist die Musik schon mehr als ein Jahrtausend alt.“
Kwame: “Ja?“
Michael: „Ja Tschaikowski.“
Kwame schüttelte den Kopf: „Und die Tänzerinnen?“
Michael: „Das waren bestimmt Bots oder Roboter.“
Kwame: „Meinst du?“
Als sie sprachen betraten drei junge Frauen mit unsicheren Blicken und Gesten das Lokal.
Diesmal blieben die Blicke der Gäste etwas länger an ihnen haften und Kwame und Michael taten es den anderen Gästen unwillkürlich nach.
Unter ihren Anoraks trugen sie weiße Kleidung die denen der Tänzerinnen im Ballett ähnelte.
Kwame stieß Michael an: „Deine Bots“
Michael: „Meinst du?“
Vom Nachbartisch hörten die beiden ein Raunen
Gast eins: „Schau mal Frischfleisch.“
Gast zwei: „Die müssen erst noch zugeritten werden.“
Gast eins: „Das kann ich schon erledigen.“
Jia: “Gibt es hier was zu essen?“
Der Wirtin zeigte auf die Tafel.
Wirtin: „Habt ihr Geld?“
Xiu kramte ein paar Cent hervor.
Wirtin: „Das reicht bei weitem nicht. Hier wird mit Credits bezahlt.“
Jia: “Und wie viel ist das?“
Wirtin: „Habt ihr noch nie mit Credits bezahlt? Das ist hundert mal so viel.“
Gast eins: „Ich zahle, wenn ihr ein bisschen nett zu mir seid.“
Xiu: “Wir sind nett.“
Gast eins: „Dann lass mal sehen.“
Wirtin: „Treib's nicht zu weit.“
Michael erhob sich von seinem Platz und ging auf den Gast zu. Kwame folgte ihm.
Michael: „Würde es Ihnen etwas ausmachen, die Dame in Ruhe zu lassen?“
Gast eins: „Misch dich nicht ein. Das sind meine Püppchen.“
Michael: „Ich sagte, Sie sollen...“
Ehe er ausreden konnte hatte ihm der Gast einen Haken versetzt und Michael fiel rücklings zwischen zwei Stühle und einem Tisch. Als Kwame eingreifen wollte ging der zweite Gast auf ihn zu und baute sich vor ihm auf.
Gast zwei: „Hier suchen wohl welche Ärger.“
Gast eins: „Das sind Klosterschüler. Pass auf, sonst bekehren sie dich.“
Gast zwei: „Na, du Klosterschüler. Was willst du hier ausrichten?“
Imani :“Lassen Sie den Mann doch in Ruhe.“
Gast eins: „Oh, die Kleine ist ja eine ganz scharfe.“
Gast zwei: „Das probieren wir doch gleich mal aus.“
Er versuchte Imani zu sich heranzuziehen und sie auf den Mund zu küssen. Als ihm die Beine weg sackten und er zu Boden fiel.
Gast eins: „Hey hey hey, was passiert den hier?“
Er näherte sich Xiu, die aber wich ihm aus. Der Mann holte aus und traf Kwame der zu Boden ging. Der man wollte weiter auf ihn einprügeln, als er von Xiu daran gehindert wurde und selber das Gleichgewicht verlor. Nun griffen auch Jia un Imani mit ein und innerhalb weniger Augenblicke, waren die beiden Männer erledigt. Imani half Kwame auf. Und Xiu zerrte Michael aus den Stühlen hervor.
Kwame: “Wie habt ihr das gemacht?“
Michael: “Und ihr seid dabei noch nicht mal ins Schwitzen gekommen.“
Xiu “Seid ihr wirklich Klosterschüler?“
Michael: “Mehr oder weniger.“
Kwame zerrte ein Taschentuch hervor und wollte sich die Stirn wischen, als er merkten dass er blutete.
Imani “Warte, ich helfe dir.“
jia: “Und in der Klosterschule gibt es da was zu essen?“
Imani sah sie an.
Michael: “Natürlich gibt es da was zu essen. Aber nicht mehr um die Uhrzeit.“
Kwame: “Und wir können euch nicht einfach so mit aufs Zimmer nehmen.“
Michael: “Genau das wärs.“
Xiu “Wir nehmen nicht viel Platz weg. Wir brauchen nur was zu essen und einen Platz wo wir uns hinlegen können.“
Kwame: “Wir könnten euch ein Hotel buchen.“
Imani “Das geht nicht. Dort würden sie zuerst suchen.“
Kwame: “Wer würde euch suchen?“
Imani “Madame. Die Imperialen.“
Michael: “Seid ihr...?“
Xiu “Ja.“
Michael: “Und wie ist euer Plan?“
Xiu “Kein Plan.“
Imani “Wir sind einfach aus dem Backstagebereich nach draußen. Der Ordner war kein Imperialer.“
Michael: “Dann schlage ich vor, wir suchen ein anderes Lokal. Einen richtig lauten und vollen Schuppen, wo uns keiner bemerkt.“
Xiu “Dürft ihr das denn?“
Michael: “Dürft IHR das denn?“
Kwame: „Aber dort gibt es etwas zu essen.“
Die drei Mädchen sahen die beiden Männer an.
Kwame: „Das dürfen wir.“
Michael bezahlte die Rechnung und sie verließen das Lokal, um in ein anderes zu wechseln um dort vorerst unterzutauchen.
Michael: “ich komme mir konspirativ vor.“
Kwame: „Ja das gibt eine lange Beichte.“
Michael: “Ego te absolvo.“
Kwame: „Amen.“
Die drei Mädchen kamen mit reichlich Essen zurück, was sie sich von den Credits gekauft hatten die Kawame und Michael ihnen gegeben hatten und vergruben ihre Gesichter darin.
Jia: mit vollen Backen. “Endlich was zu essen. Das reicht für die nächsten Jahre.“
Imani: “Ihr wollt nichts?“
Michael: schüttelt den Kopf“Wir haben schon gegessen.“
Kwame: „Sagt mal, wie habt ihr die beiden Kerle so schnell erledigen können?“
Xiu als wäre damit alles gesagt: “Wir sind Tänzerinnen.“
Michael: „Und das lernt man beim Tanzen?“
Jia nickte und Imani schüttelte den Kopf.
Imani: “Wir hatten ein Spezialtraining.“
Xiu: “Ich dachte im Kloster lernt man Selbstverteidigung.“
Kwame: „Nicht in jedem Kloster.“
Michael: „Unseres ist eines des Studiums und er Kontemplation und der Ruhe.“
Xiu: “Verstehe“
Kwame: „Was das Problem der Herberge aufwirft“
Michael: „Wir könnte sie ja im Stall, bei Ochs und Esel...“
Kwame: „Als Maria und Josef und das Jesuskind. Nein jetzt ernsthaft.“
Michael: „Nun, wir sollten ja heute versucht werden.“
Xiu: “Könnt ihr mal Klartext reden?“
Kwame: „Wir sollten heute zum Ballett, um zu testen ob unser Verzicht, also na ja. Jedenfalls ich mache da nicht mit.“
Michael: „Ich meinte ja nicht wirklich. Aber wir könnten so tun als ob.“
Kwame: „Du meinst wir buchen das Hotel auf unsere Namen nehmen die drei mit und verdrücken uns dann.“
Michael: „Ja so ähnlich.“
Kwame: „Das ist aber nichts langfristiges.“
Michael: „Ist nur für eine Nacht. Und morgen weihen wir unseren Prior ein.“
Imani: “Und der verrät uns nicht?“
Kwame: „Nein. Außerdem sind wir hier in der Föderation. In Tau Ceti ist man zwar tolerant dem Imperium gegenüber aber es gelten auch Regeln der Föderation.“
Michael: „Euch im Kloster zu verstecken ist also keine Straftat.“
Xiu: “Ich dachte das geht nicht.“
Michael: „Wir beherbergen auch manchmal Gäste zu Exerzitien.“
Xiu: “Was ist das?“
Imani: “Klingt irgendwie anstrengend“
Kwame: „Im Gegenteil. Dabei kommt man zur Ruhe und zu inneren Frieden.“